21. Mai 2022

0:3! Beschämendes Pokalaus in Hannover

Sang- und klanglos mit 0:3 ging Borussia Mönchengladbach am Mittwoch im Achtelfinale des DFB-Pokals bei Zweitligist Hannover 96 unter. Bei einer in allen Bereichen indiskutablen Vorstellung unterlagen die Borussen auch in der Höhe vollkommen verdient.

Borussias Trainer Adi Hütter nahm gegenüber der Heimniederlage gegen Leverkusen vier Veränderungen in der Startelf vor. Ginter, Scally, Thuram und Plea begannen für Jantschke, Bénes, Netz und Embolo (alle Bank). Friedrich rückte links in die Dreierkette, Scally spielte links davor. Vorne sollten sich Plea und Thuram versuchen.

In den ersten Minuten sah es noch halbwegs ordentlich aus, was die Borussen mit Ball am Fuß auf den regennassen Rasen brachten. Stindl hatte eine erste Schussgelegenheit, zielte jedoch zu zentral auf den Torwart (3.). Dann folgte mit Hannovers erstem Angriff die kalte Dusche: Elvedi wollte einen langen Ball an den eigenen Sechzehner mit einem Hackeneinsatz klären, stellte sich dabei jedoch tollpatschig an und beförderte den Ball vor die Füße von Weydandt. Scally rückte vor, kam aber nicht in den Zweikampf und öffnete die Tür für das Zuspiel auf Beier, der schneller als Friedrich war und das Leder unhaltbar für Sommer in den Winkel flammte (4.).

Borussia träge und einfallslos – Handelfmeter als nächster Rückschlag

Ein Start wie gemalt für den Zweitligist, der sich fortan zurückzog und ab der Mittellinie mit aggressivem und laufintensivem Spiel auf Ballgewinne und schnelle Umschaltangriffe aus war. Weil die Borussen pomadig und ideenlos aufbauten, hatten die Hannoveraner relativ leichtes Spiel. Und wenn doch mal einer durchrutschte, war Torwart Zieler zur Stelle. So in der 11. Minute, als Ginter den Ball an den Strafraum spielte, Thuram per Kopf perfekt für Neuhaus ablegte, der den Ball freistehend nicht an Zieler vorbei bekam. Das war allerdings auch die einzig wirklich hochkarätige Chance der Borussen im ersten Durchgang. Bei einem Schlenzer von Neuhaus (42.) und einem Schuss von Plea (43.) hatte Zieler keine wirklichen Probleme.

Probleme hatten dagegen die Gladbacher in allen Bereichen – und es kam auch noch Pech dazu. Im Strafraum bekam Friedrich den Ball aus kurzer Distanz an den Unterarm geschossen und eigentlich war die Situation abgehakt, weil der Schiedsrichter gut stand und weiterlaufen ließ. Doch als nach einer gefühlten Ewigkeit das Spiel unterbrochen war, wurde der Referee vom VAR zum Bildschirm zitiert – und entschied nachträglich doch auf Handelfmeter. Kerk trat an, Sommer hatte wieder die richtige Ecke und auch die Finger am Ball, konnte den Einschlag aber nicht mehr verhindern (37.).

Die nächsten Missgeschicke anstatt einer Aufholjagd

Das war natürlich ein weiterer Dämpfer für die Gladbacher, die auch so schon in desolater Verfassung waren. Zur Pause wechselte Hütter doppelt, brachte Embolo und Zakaria für Thuram und Plea. Zakaria als Sechser, Stindl vorne neben Embolo – so sollte die Aufholjagd in der Theorie erfolgen. Doch die Praxis sah ganz anders aus. Hannovers Beier wurde von Friedrich nicht konsequent angegriffen und ließ einen scharfen Flachschuss los, den Sommer so gerade noch um den Pfosten lenken konnte. Auch nach der folgenden Ecke herrschte Chaos im Gladbacher Strafraum (46.). Und dann wurde es richtig peinlich: Ein Eckball der Borussen wurde abgewehrt, bei der Absicherung gab es ein Missverständnis zwischen Koné und Scally und so durfte Beier alleine auf Sommer zulaufen. Der Hannoveraner behielt die Ruhe und verlud Sommer mit einem Außenristschuss – 3:0 für 96 nach 51 Minuten.

Damit war das Spiel entschieden, denn die Borussen waren nicht mal im Ansatz in der Lage, noch irgendwie Zugriff zu bekommen. Sie hatten zwar noch zwei gute Möglichkeiten durch Neuhaus (56.) und vor allem Zakaria (73.), die am stark reagierenden Zieler scheiterten. Doch ansonsten waren es hauptsächlich klägliche Versuche, welche der Bundesligist im Repertoire hatte. Es lag sogar noch das vierte Tor für Hannover in der Luft, als die Borussen mal wieder eine Ecke stümperhaft verteidigten und Sommer mit einem Reflex rettete und Beier den Rebound an den Pfosten setzte (63.)

Alibiaktionen durchsetzt mit Slapstickeinlagen

Den Gastgebern reichte eine konzentrierte Verteidigungsarbeit mit großer Laufleistung, um die vermeintliche Qualität der Borussen im Keim zu ersticken. Die Gladbacher fügten sich in ihr Schicksal und brachten letztlich nicht mehr als Alibiaktionen – durchsetzt mit einigen unfreiwilligen Slapstickeinlagen – zustande. Hannover schaukelte den auch in dieser Höhe absolut verdienten Sieg souverän über die Zeit – auch wenn Ochs in der Nachspielzeit fast ein Eigentor produziert hätte – und zieht ins Viertelfinale ein. Die Borussen blamierten sich dagegen bis auf die Knochen und haben einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Kurzstatistik zum Spiel:

Hannover 96: Zieler – Dehm, M. Franke, Börner, Hult (78. Ochs) – D. Kaiser, Ondoua, Beier (72. Ennali), Kerk (64. Ernst), Maina (64. Stolze) – Weydandt (72. Teuchert)

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Ginter, Elvedi, Friedrich – Lainer (67. Herrmann), Koné, Neuhaus, Scally (67. Netz) – Stindl – Plea (46. Embolo), Thuram (46. Zakaria)

weiter im Kader: Sippel (ETW), Jantschke, Bénes, Noß, Bennetts

Tore: 1:0 Beier (4.), 2:0 Kerk (36. / HE), 3:0 Beier (51.)

Schiedsrichter: Florian Badstübner

Gelbe Karten: – Friedrich, Embolo

Zuschauer: 500

von Marc Basten – TORfabrik.de | Foto: Stuart Franklin – Getty Images