20. Oktober 2021

Hütter überrascht mit Keanan Bennetts

Borussias neuer Trainer Adi Hütter setzte auch gegen den FC Bayern weitestgehend auf Altbewährtes. Joe Scally und überraschend Keanan Bennetts waren die ‘Neuentdeckungen’.

Dass sich in der heißen Schlussphase des Auftaktspiels zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München auf der linken Gladbacher Seite Keanan Bennetts und Joe Scally mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit die Bälle zuspielen würden, darauf wäre bei Bekanntgabe des Spielplans wohl auch niemand gekommen. Nach den Wochen der Vorbereitung und der Verletzung von Bensebaini war Scallys Bundesligadebüt keine Überraschung, das erste ‘richtige’ Bundesligaspiel von Keanan Bennetts dagegen schon.

Denn der 22-jährige Engländer galt allgemein als einer der ersten Kandidaten für einen Vereinswechsel. Vor drei Jahren kam Bennetts aus Tottenham an den Niederrhein – die Borussen überwiesen für das Talent über 2 Millionen nach England. Der damalige Trainer Dieter Hecking schickte Bennetts schnell in die zweite Reihe und auch sein Nachfolger Marco Rose befand die Qualitäten des Angreifers als nicht ausreichend genug, um ihn ernsthaft für den erweiterten Kader in Erwägung zu ziehen.

Hütter schenkt Bennetts in der ‘Crunch-Time’ gegen die Bayern das Vertrauen

Zuletzt wurde Bennetts, dessen Vertrag beim VfL noch bis Juni 2022 läuft, an den englischen Drittligisten Ipswich Town ausgeliehen. Seine Rückkehr in diesem Sommer schien nur temporär – er wurde in die Reihe der Spieler aufgenommen, die Borussia abgibt, wenn eine für beide Seiten passende Lösung gefunden wird. Doch zum Saisonstart ist Bennetts immer noch da – und offensichtlich sieht Adi Hütter in dem Engländer etwas. Gegen Kaiserslautern im Pokal brachte er ihn in der Schlussphase, was noch nicht als wirklicher Fingerzeig gewertet wurde.

Dass Hütter Bennetts allerdings in der ‘Crunch-Time’ gegen die Bayern das Vertrauen schenkte und ihn in der 72. Minute für Wolf brachte, kam schon sehr überraschend und ist ganz sicher bemerkenswert. Bennetts enttäuschte seinen Trainer nicht und brachte Schwung auf die linke Seite. Er dribbelte mutig drauflos und diese Mischung aus Unbekümmertheit und Unberechenbarkeit passte in dieser Phase des Spiels richtig gut.

Die Explosivität von Bennetts ist bemerkenswert

Bennetts bringt eine Explosivität mit, die einem Gegenspieler richtig Probleme bereiten kann. Da er zudem über eine gewisse Robustheit verfügt, kann er sich – anders als zum Beispiel Hannes Wolf – auch in harten körperlichen Duellen behaupten. Was dem Engländer offensichtlich noch fehlt, ist die Balance und das Spielverständnis. Das sind allerdings Dinge, an denen man arbeiten kann und die auch etwas mit Praxis zu tun haben.

Bennetts hat in diesen Tagen einen großen Schritt gemacht und ein Vereinswechsel sollte eigentlich vom Tisch sein. Ob Adi Hütter es gelingt, Bennetts weiter zu entwickeln und den Engländer zu einer echten Alternative ‘heranzuziehen’, bleibt abzuwarten. Aber es könnte richtig interessant werden, wenn diese Entwicklung nun später, aber eben noch nicht zu spät, Fahrt aufnimmt.

von Marc Basten – TORfabrik.de