20. Oktober 2021

Eberl: »Es kann bedeuten, dass man auch mal einen Schritt zurückgeht«

Welche Strategie wird Borussia Mönchengladbach bei der Planung der neuen Saison verfolgen? Sportdirektor Max Eberl macht deutlich, dass man auf die Bremse treten muss. »Wir haben nur begrenzte Möglichkeiten«.

Wie wird der Kader aussehen, mit dem Borussia Mönchengladbach unter Adi Hütter im Sommer neu durchstarten wird? Diese Frage wird vor allem aufgrund der coronabedingten Umstände so schnell nicht beantwortet werden können. Borussias Sportdirektor Max Eberl machte am Wochenende in großen Interviews mit der Aachener Zeitung und dem Kicker deutlich, dass auch in Gladbach kleinere Brötchen gebacken werden müssen. »Wir haben nur begrenzte Möglichkeiten«, sagte Eberl gegenüber der Aachener Zeitung. »Den Kader noch einmal zu verbessern, geht in Gladbach nicht.«

Wenn Transfererlöse generiert werden, können diese zumindest zum Teil reinvestiert werden. Aber richtig ‚dicke Fische‘ werden die Borussen nicht an Land ziehen können – auch weil kaum kalkulierbar ist, wie viel Geld mögliche Verkäufe bringen. »Ich sehe einen sehr kleinen Käufermarkt, bestehend aus Vereinen, die trotz Corona und finanzieller Einbußen aktiv werden können. Und einen extrem großen Verkäufermarkt«, so Eberl im Interview mit dem Kicker. »Ich rechne damit, dass die Vereine noch defensiver denken, mit noch mehr Vorsicht handeln. Hinter uns liegen 15 Monate Corona mit gravierenden Mindereinnahmen. Hinzu kommt in der Deutschland der neue TV-Vertrag«. Dieser ist um 200 Millionen Euro geringer dotiert, als zuletzt.

»Nach diesem Sommer haben noch mehr Spieler und Berater die neue Realität erkannt«

Der Transfermarkt wird sich in diesem Sommer völlig anders darstellen, als in den ‚fetten Jahren‘. Überall werden die Kader verkleinert, es werden viele Spieler auf den Markt kommen, für die es keine Abnehmer geben wird. »Kleinere Vertragsangebote, mehr Arbeitslose – ich bin mir sicher, nach diesem Sommer haben noch mehr Spieler und Berater die neue Realität erkannt«, so Eberl. Bislang sei noch nicht bei allen »komplett durchgedrungen, was Corona für den Fußball wirklich bedeutet.« Im letzten Jahr setzte Borussia auf Leihgeschäfte. »Leihen helfen kurzfristig. Die Kosten sind vergleichsweise überschaubar und das Risiko geringer«, so Eberl. »Aber es ist nicht der Ansatz, um nachhaltig Kaderpolitik zu betreiben und damit auch Geld zu verdienen.«

Von daher erwartet Eberl auch »eine große Palette an kreativen Transfermodellen«, etwa Tauschgeschäfte oder dass ein Spieler auf ein Tauschgeschäft angerechnet wird. Vor allem aber werden viele Vereine ihre Kader verkleinern und die Plätze mit jungen Spielern auffüllen. So wird wohl auch die Verfahrensweise in Mönchengladbach aussehen. »Wir werden zur neuen Saison vier, fünf spannende junge Spieler dazu nehmen, die ihre Chance bekommen – und das Potenzial haben, sie auch zu nutzen«, kündigte Eberl einen »Strategiewechsel« an, »den wir auch so erklären werden. Es kann bedeuten, dass man auch mal einen Schritt zurückgeht, etwas aufbaut, um anschließend wieder etwas Größeres aufbauen zu können.« Heißt im Klartext, dass die mutigen Zielsetzungen aus dem letzten Jahr diesmal deutlich verhaltener ausfallen werden. »Damit darf die Erwartungshaltung der letzten Jahre aber nicht gleich bleiben«, so Eberl. »Mit jungen Spielern kannst du nicht einfach sagen: Jetzt kommen wir nach Europa«.

von Redaktion TORfabrik.de