20. Oktober 2021

Einzelkritik: Borussia findet weiter keine Lösungen

Auch gegen Bayer Leverkusen agierte Borussia Mönchengladbach fußballerisch bieder und ohne Durchschlagskraft. Wie im Pokal gegen Dortmund wurden die Fohlen entscheidend ausgekontert. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Nach seiner Pause im Pokal wurde er nach 17 Minuten erstmals richtig gefordert, als Diaby aufs kurze Eck schoss, wo Sommer stand und parierte. Nach einer halben Stunde wehrte er nach einem Leverkusener Konter erneut einen Diaby-Schuss gut ab und war auch beim Rebound von Schick zur Stelle. Diese Konstellation gab es auch beim Tor des Tages, als Sommer erst gegen Diaby stark mit einer Hand abwehrte, beim Schuss von Schick war er diesmal chancenlos. In der Spieleröffnung war Sommer fehlerfrei – alle zwanzig Pässe, inklusive vier langer Bälle, kamen an. Note 2,0.

Stefan Lainer: War einmal im Missmatch beim Kopfballduell gegen Schick und ließ sich in der Anfangsphase einmal von Gray überlaufen. Danach ließ sich Lainer von den Bewegungen von Gray kaum beirren, auch wenn er Mühe hatte. Offensiv mit einem guten Zuspiel auf Plea und wie immer darum bemüht, über die Seite Druck aufzubauen. Mit seinem Kopfball legte der 28-Jährige für Lazaro auf, der bei seinem Fallrückzieherversuch jedoch im Abseits stand. Beim Gegentor versuchte Lainer noch zu retten, doch gegen den eher ungewollten Abschluss von Schick ins andere Eck konnte er nichts ausrichten. Note 3,5.

Matthias Ginter: Machte hinten eine solide Partie, einmal rettete er gegen Amiri und fädelte sich geschickt in dessen Beine ein. Ein Tacklingversuch gegen Gray war schlecht getimt, ansonsten machte es der 27-Jährige ordentlich, auch im Kopfballspiel. Beim Ausgleich hatte er die Augen nur auf den Ball gerichtet und nicht auf Schick, so dass er nach der Abwehr von Sommer durchlief und den Rebound nicht verhindern konnte. Im Aufbau mit zwei schönen Crossbällen auf Bensebaini, ein Pass auf Lainer missriet gründlich. In der Nachspielzeit hätte Ginter mit einem Innenristschuss nach Doppelpass mit Herrmann fast den Ausgleich erzielt, doch der Keeper lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Note 3,0.

Nico Elvedi: Begann mit einem schlampigen Pass beim Ausverteidigen, was fast ins Auge gegangen wäre. Der Schweizer wirkte etwas müde, er verstolperte einen Ball und scheiterte mit Ansage bei einem Passversuch auf Plea, der gedeckt war. Kurz vor dem Seitenwechsel klärte der 24-Jährige in einer brenzligen Situation und zwei- oder dreimal kam er mit gutem Stellungsspiel vor dem Gegner an den Ball. Dagegen ließ Elvedi sich in einer Situation von Diaby an der Grundlinie düpieren und beim Gegentor kam er nicht mehr nah genug an den schnellen Franzosen heran. Insoweit aber kein Vorwurf an Elvedi, der nicht langsam im Sprint war, aber Diabi war halt schneller. Note 4,0.

Ramy Bensebaini: Stach auch diesmal wieder mit viel Biss und Einsatzwillen hervor. In der Defensive klärte er aufmerksam vor Amiri und ging ohne Kompromisse in die Zweikämpfe. Seine Grätschen waren giftig und das Timing passte. Auch in der Offensive zeigte er eine Lehrbuchgrätsche. Ein Ballverlust des 25-Jährigen im Aufbau führte zu einem Umschaltangriff, nach einem selbst verschuldeten Freistoß köpfte er den Ball aus dem Strafraum. Am Ball vereinte Bensebaini Dynamik und Technik. Seine Außenristpässe und Körpertäuschungen waren klasse, der Zidane-Move inklusive Pass auf Plea war hervorragend, weil effektiv. Note 2,5.

Denis Zakaria: Der Schweizer agierte im ‚Dauer-Schongang‘ und schien jeglichen Körper- und Ballkontakt vermeiden zu wollen. Als Sechser hatte er in der ersten Halbzeit unterirdische 12 Ballkontakte und bestritt keinen Zweikampf. Im zweiten Durchgang verbesserte sich der 24-Jährige leicht (immerhin 23 Ballberührungen), aber auch wenn er viel gelaufen ist, das war unter dem Strich viel zu wenig. Wegen Nicht-Teilnahme bleibt nur die Note 5,0.

Florian Neuhaus: Der 23-Jährige wirkte blass und überspielt. Sein ‚Krümelschuss‘ nach 14 Minuten war die erste Gladbacher Aktion in Richtung Tor. Ein laxer Freistoß führte zu einem gefährlichen Konter, weil er sich beim darauffolgenden Befreiungsschlag zu einfach wegdrücken ließ. Ein Pass segelte ins Toraus, seinen Standards fehlte es an Schärfe und Präzision. Sein Freistoßaufsetzer in der 90. Minute stellte für den Torwart kein Problem dar. Insgesamt war Neuhaus zu fehlerbehaftet, was den Spielfluss hemmte. Zugutehalten muss man ihm, dass er sich nicht versteckt hat. Note 4,5.

Valentino Lazaro: Konnte sich rechts im Dreiermittelfeld nicht wirklich nachhaltig in Szene setzen. Er war zwar an der Kombination zur Plea-Chance beteiligt und klärte defensiv mit einer sehenswerten Grätsche gegen Diaby, aber ansonsten war vom Österreicher eher wenig zu sehen. Sein Fallrückzieherversuch nach Kopfballvorlage von Lainer erfolgte in Abseitsposition, so dass die darauf folgende Elfmeterentscheidung nach Foul an Thuram zurückgenommen werden musste. Bis zu seiner Auswechslung in der 81. Minute kam der 24-Jährige gerade mal auf 17 Ballaktionen. Note 4,5.

Hannes Wolf: Es wäre ungerecht, die Leistung des Österreichers nur an der Szene festzumachen, als er vor dem Gegentor den Ball gegen Tah verlor. Das war fraglos nicht gut, aber darüber hinaus war der 21-Jährige einer der wenigen Lichtblicke im Offensivspiel. Er war ständig in Bewegung und gewillt, etwas zu initiieren. Wolf hatte die beste Chance der ersten Halbzeit, als Tapsoba den Schuss noch mit dem Rücken abfälschte. Nach der Pause setzte er sich gut durch und wurde in letzter Instanz von Tah geblockt, so dass der Ball am Außennetz landete. Wolf hatte einen gewissen Drive, an dem es bei vielen Kollegen fehlte. Aber auch gegen Leverkusen wurde deutlich, dass es ihm an der Körperlichkeit mangelt, um es mit Typen wie Tah aufzunehmen. Auch wenn er das eine oder andere Mal auch regelwidrig angegangen wurde, was der Schiedsrichter anders sah. Note 3,0.

Marcus Thuram: Der Franzose ist aktuell meilenweit von seiner besten Form entfernt. Auch gegen Leverkusen wirkte Thuram sehr schwerfällig und allenfalls in Ansätzen kam er in Schwung. Dabei sollte er nach dem Aufbautraining während seiner Zwangspause im Januar eigentlich in körperlich exzellenter Verfassung sein. Seine fehlende Spielfreude war symptomatisch für das ganze Team. Auch wenn sich der 23-Jährige am Geschehen beteiligte und den Ball forderte, wirkte er doch irgendwie desillusioniert. Pech hatte er dann bei der Aktion, als er plötzlich spritzig und in typischer Manier den Elfmeter herausholte, den es dann doch nicht gab. Nach 81 Minuten kam Traoré für ihn. Note 4,5.

Alassane Plea: Auch Borussias zentraler Stürmer wirkte schlapp und körperlich nicht auf der Höhe. Vor der Pause hatte er einen Abschluss, aber sein Schuss war leichte Beute für den Torwart. Nach dem Seitenwechsel konnte er den Ball nach tollem Zuspiel von Bensebaini nicht verarbeiten und wenige Momente später zirkelte der 27-Jährige das Leder nach neuerlicher Vorbereitung von Bensebaini deutlich am Tor vorbei – ein Abspiel auf Lazaro wäre möglich gewesen. Nach 71 Minuten wurde er von Embolo abgelöst. Note 4,5.

Breel Embolo (71. Minute für Plea): Gelungen war ein Solo durch die Mitte, ansonsten kam vom Schweizer nichts Nennenswertes. Ohne Note.

Patrick Herrmann (81. Minute für Lazaro): Trat noch als Doppelpasspartner für Ginter bei dessen Chance in der Nachspielzeit in Erscheinung. Ohne Note.

Ibrahima Traoré (81. Minute für Thuram): Zum ersten Mal in der Rückrunde im Kader bei einem Bundesligaspiel kam der 32-Jährige zu seinem ersten Einsatz in 2021. Dass er das Spiel nicht mehr herumreißen konnte, war keine Überraschung. Ohne Note.

von Redaktion TORfabrik.de