20. Oktober 2021

1:2 bei Union Berlin – Borussias Fehlstart ist perfekt!

Borussia Mönchengladbach unterlag am Sonntag bei Union Berlin mit 1:2 und hat den Fehlstart in die Saison perfekt gemacht. Die Gladbacher bereiteten den Berlinern vor der Pause zwei Tore vor, agierten selbst erschreckend harmlos und verloren am Ende verdient. Der Treffer von Jonas Hofmann in der Nachspielzeit kam zu spät.

Borussias Trainer Adi Hütter nahm im Stadion an der Alten Försterei drei erzwungene Veränderungen nach der Niederlage in Leverkusen vor einer Woche vor: Ginter (Corona), Lainer (Bruch des Sprunggelenks) und Thuram (Innenbandriss am Knie) wurden durch Beyer, Bensebaini und Wolf ersetzt. Scally spielte auf der rechten Abwehrseite, Bensebaini links und Beyer übernahm die Position in der Innenverteidigung neben Elvedi. Wolf ordnete sich vorne links ein.

Die Borussen kamen sehr ordentlich in die Partie, auch wenn Union durch eine Direktabnahme von Trimmel (3.) eine erste Tormöglichkeit hatte. Der Ball lief gut durch die Gladbacher Reihen und es gab mehrere sehenswerte Ansätze im Kombinationsspiel. Was fehlte war einmal mehr eine richtige Strafraumpräsenz und insbesondere ein konsequenter Abschluss.

Union nutzt Beyers Fehler eiskalt aus – ein echter Wirkungstreffer

So brachte die optische Überlegenheit unter dem Strich keine nennenswerte Torchance. Das genaue Gegenteil auf der anderen Seite: Union beschäftigte sich so gut wie gar nicht mit der Spielgestaltung und wartete in der Grundordnung nur auf Fehler der Borussen. Und die machten einen ebensolchen schwerwiegenden Fehler in Person von Beyer, der sich im Aufbau einen Ballverlust leistete.

In der Folge flankte Haraguchi an den zweiten Pfosten, wo Gießelmann blank stand. Der Ex-Düsseldorfer setzte einen platzierten Kopfballaufsetzer ins lange Eck – Sommer streckte sich vergeblich (22.). Das war ein Wirkungstreffer für die Gladbacher, die daran sichtlich zu knabbern hatten. Der Ball lief nun längst nicht mehr so selbstverständlich, es häuften sich Stockfehler und der eine oder andere Spieler zeigte Nerven.

Kruse narrt Kramer – Wolf und Scally lassen Awoniyi entwischen

Sommer bewahrte seine Mannschaft vor dem zweiten Gegentor, nachdem sich Awoniyi gegen Elvedi und Beyer durchgesetzt hatte (34.). Die erste echte Torchance der Gladbacher hatte Hannes Wolf zwei Minuten später. Der Österreicher drehte sich nach Zuspiel von Neuhaus im Strafraum zweimal gut und schoss von halblinks – Luthe parierte stark (36.). Kurz darauf gab es eine Ecke für Borussia, die von Berlin abgewehrt wurde. Stindl wollte den zweiten Ball zurück passen, spielte aber unglücklich in den Lauf von Awoniyi. Der lief zunächst auf auf Scally und Wolf zu, Kramer kam schließlich auch noch hinzu. Awoniyi passte auf den nachrückenden Kruse, der Kramer sehr einfach aussteigen ließ und einen gut getimten Steckpass spielte. Awoniyi war zwischen Wolf und Scally gestartet und legte den Ball aus spitzem Winkel an Sommer vorbei zum 2:0 ins Eck (41.).

Das war extrem ärgerlich aus Gladbacher Sicht – genauso wie die Tatsache, dass eine direkte Antwort leichtfertig verpasst wurde. Nach einem langen Pass und gelungener Ballmitnahme zog Hofmann wuchtig ab, Luthe wehrte ab – aber nach vorne. Neuhaus hatte den freien Rebound, setzte den Ball aber schwach am Tor vorbei (43.). So ging es mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause. Hütter wechselte zweimal, brachte Herrmann und Zakaria für Wolf und Kramer. Borussia kam erneut vernünftig ins Spiel, aber einmal mehr blieb es bei einer wenig effektiven Scheinüberlegenheit. Richtige Gefahr kam bei den Abschlüssen von Plea oder Scally nicht wirklich auf.

Hofmanns Anschlusstreffer kommt zu spät – Viel brotlose Kunst von Borussia

Union beschränkte sich derweil darauf, mit fleißiger Laufarbeit den Vorsprung zu sichern und der Plan der Berliner ging auf. Den Borussen fiel immer weniger ein und der Zug nach vorne, den man zumindest ansatzweise entwickelt hatte, war nun kaum mehr vorhanden. Die Gastgeber hatten eine Doppelchance durch Gießelmann und Öztunali (67.), auf der anderen Seite blieb Zakarias Distanzschuss, der die Oberkante der Latte streifte, bis in die Nachspielzeit die einzige echte Gladbacher Torchance (71.). Das Spiel war eigentlich schon durch, als Stindl sich im Mittelfeld stark gegen drei Berliner durchsetzte und im Fallen in den Lauf des eingewechselten Bénes passte. Dessen Schuss konnte Luthe nur kurz abwehren – Hofmann war zur Stelle zu verwertete den Rebound (90.+1).

Für zwei Minuten kam nochmal so etwas wie Hoffnung auf und Herrmann hatte von halblinks tatsächlich noch eine Möglichkeit – schoss aber unter Bedrängnis ans Außennetz (90.+3). Das war es dann aber auch – Borussia musste die zweite Saisonniederlage im dritten Spiel hinnehmen, was unter dem Strich verdient war. Über weite Strecken war es brotlose Kunst, was die Borussen auf den Rasen brachten. Offensiv erschreckend harmlos, defensiv mit Schlafmützigkeiten und fußballerisch mit zu vielen Nachlässigkeiten – so ist der Fehlstart für die Borussia perfekt.

Kurzstatistik zum Spiel:

Union Berlin: Luthe – Baumgartl, Knoche, Jaeckel – Trimmel, Khedira (82. Griessbeck), Gießelmann, Haraguchi (61. Ryerson), Öztunali (82. Teuchert) – Awoniyi (73. Behrens), Kruse (82. Voglsammer)

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Scally, Beyer, Elvedi, Bensebaini – Kramer (46. Zakaria), Neuhaus (84. Bénes) – Hofmann, Stindl, Wolf (46. Herrmann) – Plea (72. Bennetts)

weiter im Kader: Sippel (ETW), Netz, Jantschke, Noß, Schroers

Tore: 1:0 Gießelmann (22.), 2:0 Awoniyi (41.), 2:1 Hofmann (90.+1)

Gelbe Karten: Haraguchi, Trimmel –

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych

Zuschauer: 11.000

von Marc Basten – TORfabrik.de