21. September 2021

Einwurf: Eine unnötige und doch verdiente Niederlage

Borussia Mönchengladbach verspielt in Leipzig einen Zwei-Tore-Vorsprung und rutscht immer tiefer in die Krise. Selbst das Annehmen von Geschenken ist für die Gladbacher in diesen Wochen eine zu große Herausforderung.

Natürlich ist es maximal unglücklich, wenn man, wie Borussia Mönchengladbach am Samstagabend, ein Spiel durch einen Gegentreffer in der Nachspielzeit verliert. Doch großartig Hadern mit dem Fußballgott – oder gar dem Schiedsrichter – dürfen die Gladbacher nicht. Denn auch wenn es schon fast körperlich weh tat, Nagelsmann & Co beim Jubeln zuzusehen, war der Sieg von RB ohne Zweifel verdient.

Dabei hatte alles so gut angefangen für die Elf vom Niederrhein. Ein aus Leipziger Sicht völlig unnötig hergeschenkter Elfmeter – den Hofmann mit ganz viel Glück verwandelte – und ein Zufallstreffer durch Thuram bei der zweiten Offensivaktion sorgten nach knapp zwanzig Minuten für eine 2:0-Führung. Das Zwischenergebnis stellte zwar den Spielverlauf auf den Kopf, aber warum sollte Borussia in dieser schwierigen Phase nicht auch mal Dusel haben?

Tempofußball? Oscar Wendt war der schnellste Borusse in Leipzig

Die neu zusammenrotierte Fohlenelf funktionierte relativ ordentlich und im Verlauf der ersten Halbzeit gab es tatsächlich Phasen, in denen Gladbach begann, sich die Führung zu verdienen. Die Leipziger wirkten ein wenig ratlos, doch spätestens mit Wiederanpfiff hatten sie sich und das Spiel wieder unter Kontrolle. Und die Borussen? Sie hatten schon im ersten Durchgang nur überschaubare Ballbesitzanteile und kamen nach der Pause überhaupt nicht mehr aus dem Verteidigungsmodus heraus.

Es gab kaum mal Entlastung und nicht mal ansatzweise gefährliche Konterangriffe. Das ist, bei aller individuellen Klasse auf Seiten der Leipziger, schon ein echtes Armutszeugnis für Gladbach. Fußballerisch war es einmal mehr bieder und dass man Borussia mit Tempofußball in Verbindung bringen kann, ist eine Assoziation aus längst vergangenen Zeiten. An diesem Abend in Leipzig war der mittlerweile 35-Jährige Oscar Wendt der schnellste Borusse. Ein früherer Borussen-Trainer hätte gesagt: »Das meint alles«.

Alles im grünen Bereich – Leipzigs Siegtreffer war korrekt

Leipzig gelang zügig der Anschlusstreffer und als gut zwanzig Minuten in der zweiten Hälfte absolviert waren, auch der Ausgleich. Das alles kam nicht überraschend, denn die Borussen verteidigten zwar mit Leidenschaft, aber mehr war da auch nicht. Nach dem Ausgleich gab es frisches Personal und die Umstellung auf Viererkette, was aber kaum etwas an der Statik des Spiels veränderte. Leipzig machte Druck, die Borussen liefen hinterher und verdaddelten die wenigen eigenen Angriffe. Die Kräfte schwanden zusehends und es hatte schon etwas Heldenhaftes, wie sich Jordan Beyer mit lädierter Oberschenkelmuskulatur über die Zeit quälte.

Da auch die Leipziger ordentlich Körner gelassen hatten, schien es auf ein für Gladbach glückliches Remis hinauszulaufen. Doch weil Lazaro nach vielen Positionswechseln als eingerückter Linksverteidiger ein Kopfballduell gegen Sörloth verlor und Sommer zögerlich auf der Linie verharrte, folgte doch noch der späte Knock-out. Dass die Borussen wegen des leichten Schubsers von Sörloth gegen Lazaro protestierten, war einerseits verständlich, andererseits aber auch zu Recht vergeblich. Das war alles noch im grünen Bereich.

Borussia hat in den letzten fünf Wochen nahezu die komplette Saison in den Sand gesetzt

Am Ende stehen die Gladbacher Borussen einmal mehr mit leeren Händen da. In der Nachspielzeit zu verlieren, ist richtig bitter. Aber noch schmerzhafter ist die Erkenntnis, dass die Borussen nicht mal in der Lage sind, ein Spiel zumindest mit einem Teilerfolg über die Zeit zu bringen, bei dem ihnen eine so vielversprechende Ausgangsposition geschenkt wird.

Borussia hat in den letzten fünf Wochen nahezu die komplette Saison in den Sand gesetzt, nachdem man eigentlich so schwungvoll ins neue Jahr gestartet war. Von der neuerlichen Qualifikation zur Champions League muss man nicht mehr reden, selbst die Europa League oder die ‚heißbegehrte‘ Conference League erscheinen in dieser Verfassung utopisch. Mannschaft und Trainer wirken ausgelaugt, physisch und psychisch leer. Der letzte Strohhalm heißt nun DFB-Pokal – doch wie will man den in diesem Zustand ergreifen?

von Marc Basten – TORfabrik.de