21. September 2021

Borussia gegen Manchester City: Es fühlt sich komisch an

Es ist der größte sportliche Erfolg in der jüngeren Vereinsgeschichte von Borussia Mönchengladbach: Die Fohlenelf steht im Achtelfinale der Champions League. Doch die Vorfreude auf das Highlight ist getrübt – nicht nur wegen der vermeintlichen Übermacht von Gegner Manchester City.

Stell Dir vor Borussia steht im Achtelfinale der Champions League und die meisten Gladbach-Fans blasen Trübsal … Es hat den Anschein, dass es vielen Anhängern der Fohlenelf zumindest annähernd so geht. Und auch wenn sich bei dem einen oder anderen die Vorfreude vielleicht doch noch einstellen wird, je näher es auf den Anpfiff am Mittwochabend (21:00 Uhr, live bei DAZN) zugeht, so ist die Gemütslage gewiss anders, als es unter ›normalen‹ Umständen sein sollte.

Zum einen sind da natürlich die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Wie schon im Herbst dürfen die Anhänger nicht ins Stadion. Ein Jahr dauert der Zustand fast schon an und ein Ende ist nicht abzusehen. Und dann findet das größte Spiel der Neuzeit auch noch als Heimspiel getarnt in Budapest statt. Dass sich nicht alle damit anfreunden können, dass der Fußball hier Schlupflöcher in den Corona-Regelungen sucht und findet, ist logisch.

Die emotionale Distanz wird nochmals größer

Selbst wenn man Verständnis für den Verein aufbringt, die Partie unter allen Umständen irgendwie über die Bühne bringen zu müssen, wird die emotionale Distanz nochmals größer. Erst der Showdown in Madrid in einem Regionalligastadion, jetzt das Heimspiel im Achtelfinale in Budapest – da muss man schon viele Augen zudrücken, um da noch voll mitgehen zu können.

Erschwerend kommt nun noch hinzu, dass neben den fragwürdigen äußeren Umständen auch die Gesamtsituation um Trainer und Mannschaft bleischwer über der Borussia und ihren Anhängern lastet. Da kann Borussias Social-Media-Abteilung noch so viele ›gute-Laune-Posts‹ durchs Netz jagen – die Stimmung ist und bleibt extrem angespannt. Das Thema Marco Rose wird nur durch positive Resultate halbwegs in Zaum gehalten werden können und da hat die Niederlage gegen Mainz wahrlich nicht geholfen.

Borussia hinkt in nahezu allen Teilbereichen den eigenen Ansprüchen hinterher

Auch der rein faktische Blick auf die aktuelle Verfassung lässt nicht viele positive Erkenntnisse zu. Borussia hat in den letzten Wochen nicht gut performt – das belegen sämtliche Zahlen, aber auch der simple Fußballsachverstand, wenn man sich die Spiele in Gänze angeschaut hat. Gladbach hat nicht nur eine Ergebniskrise (in der Rückrundentabelle rangiert man im unteren Mittelfeld mit einem Zähler weniger als der 1.FC Köln), sondern hinkt in nahezu allen Teilbereichen den eigenen Ansprüchen hinterher.

Ausgerechnet in dieser wenig erbaulichen Gemengelage wartet jetzt Manchester City. Die Übermannschaft der letzten Monate, die von einem Sieg zum nächsten eilt. Natürlich ist Borussia der krasse Außenseiter und allgemein wird erwartet, dass die Sache nach dem Hinspiel entschieden sein wird. Doch ein wenig Vorsicht sollte man schon walten lassen, bevor man Gladbach schon im Vorfeld als reines Opferlamm deklariert.

Alles ist auf die Highlights ausgerichtet – angefangen mit der ›vorsorglichen‹ Rotation im Derby

Die Mannschaft hat in den ›großen‹ Spielen in dieser Saison oftmals überzeugt. Marco Rose hat es geschafft, seine Spieler auf diese Partien zu fokussieren, die Belastungs- und Trainingsteuerung darauf auszurichten und sie für seine jeweilige Spielidee zu begeistern. Ob der scheidende Coach das auf der emotionalen Schiene nochmals so hinbekommen kann, bleibt abzuwarten. Aber ganz klar ist, dass in den letzten Wochen alles auf die Spiele gegen Manchester und Dortmund ausgerichtet wurde – angefangen mit der ›vorsorglichen‹ Rotation im Derby.

Sich auf der Bühne Champions League zu beweisen, ist nicht nur für den Trainer ein großer Augenblick. Auch die Spieler werden wissen, dass sie mit einem gelungenen Auftritt im europäischen Schaufenster weitaus mehr herausholen können, als in einem stinknormalen Bundesligaspiel gegen Abstiegskandidaten wie Köln oder Mainz. Man kann also schon erwarten, dass da am Mittwochabend in Budapest eine ganz andere Borussia auf dem Platz stehen wird, als zuletzt in der Liga.

Am Dienstag sind die Gladbacher nach Ungarn geflogen. Verletzungssorgen gibt es keine, Marco Rose kann auf den nahezu kompletten Kader zurückgreifen.

von Marc Basten – TORfabrik.de