1. Februar 2026

Ein Punkt in Bremen, der wie eine doppelte Niederlage erscheint

Borussia Mönchengladbach nimmt einen Punkt aus dem Auswärtsspiel bei Werder Bremen mit nach Hause. Was eigentlich okay sein sollte, entpuppt sich als gefühlte doppelte Niederlage für die Fohlen. In dieser Verfassung droht der Absturz.

Als Werder Bremen in der 94. Minute der – vom Spielverlauf her mehr als verdiente – Ausgleich gelang, gingen die Köpfe der Borussen auf und neben dem Platz kollektiv nach unten. Da war man auf dem besten Weg, mit einer fußballerisch als armselig zu bezeichnenden Leistung drei essenzielle Punkte zu stehlen, und dann kam doch noch dieser Nackenschlag. Die Erkenntnis, dass man selbst dann ein Spiel nicht über die Zeit bringen kann, wenn man trotz Rumpelfußball die drei Zähler auf dem Silbertablett serviert bekommt, ist mit Blick auf die Tabelle und die kommenden Aufgaben extrem ernüchternd.

Dass beide Mannschaften in ihrer Zusammenstellung und von der individuellen Qualität her zu den schwächsten Teams der Liga zählen, war schon vor dem Anpfiff klar. Entsprechend war das Spiel, das den Zuschauern in der ersten Halbzeit im Bremer Weserstadion geboten wurde, von Vorsicht geprägt. Bremen traute sich nicht ins Pressing und die Borussen begnügten sich mit dem Umstand, nicht wirklich unter Druck zu geraten. Die Arbeit gegen den Ball war dabei absolut in Ordnung und im Gegensatz zu manch anderem Match in der jüngeren Vergangenheit konnte man beobachten, dass einander geholfen wurde.

Der fußballerische Ansatz ist nicht erstligareif

Die Grundlagen waren also vorhanden, doch der darauf aufbauende fußballerische Ansatz war einmal mehr nicht erstligareif. Die Borussen waren erneut extrem harmlos und viel zu fehlerbehaftet. Sportchef Rouven Schröder sprach nach dem Spiel in der Mixed-Zone das an, was bislang eher unter den Teppich gekehrt wurde. »Es sind auch technische Themen«, sagte Schröder. »Die Ballverarbeitung, der erste Kontakt – da müssen wir uns verbessern. Auch mit Ball müssen wir den richtigen Schritt machen, um Entlastung zu haben und nachzurücken. Da sind alle gefragt, auch das Mittelfeld. Dort benötigen wir auch mehr Kreatives und Ruhe am Ball.«

Auf der Tribüne schüttelten derweil die Gladbacher Anhänger genauso oft den Kopf wie die Bremer. Die Beschreibung „Not gegen Elend“ machte die Runde und niemand mochte widersprechen. Nicht nur für die frierenden Zuschauer im nasskalten Weserstadion war das Match schwer zu ertragen. Eugen Polanski formulierte es später noch sehr gnädig: »Es war kein Leckerbissen«, sagte Borussias Trainer. »Aber in unserer Situation konnte man das vielleicht auch nicht erwarten.«

Ein richtig guter Angriff zur Führung aus dem Nichts

Nach der Pause erhöhte Werder den Druck etwas und prompt geriet das bis dahin stabile Gladbacher Gerüst ins Wanken. Schon wenn der Gegner nicht besonders früh attackiert und das Spieltempo insgesamt nicht hoch ist, haben die Borussen Schwierigkeiten, ein Kombinationsspiel aufzuziehen. Setzt man sie dann aber noch unter Druck, wird es richtig kritisch. Doch den Bremern mangelte es ebenso an Qualität, um das auszunutzen. Und dann gingen die Borussen nach etwas mehr als einer Stunde plötzlich sogar aus dem Nichts in Führung: Ein richtig guter Angriff mit dem schlauen Pass von Reitz, Honorats Tempo und Tabakovićs Torinstinkt reichten aus, um ganz Bremen bis ins Mark zu erschüttern.

Doch mehr war da nicht, was Borussia zu bieten hatte. Man wollte oder konnte nicht nachsetzen und die nun noch deutlicher erkennbare Verunsicherung der Bremer ausnutzen, um endlich das Kommando zu übernehmen. Stattdessen ließ man es zu, dass sich die Bremer langsam aber sicher wieder berappelten und eine Schlussoffensive starten konnten, an deren Ende sie belohnt wurden. Die Borussen wiederum hatten noch einen einzigen nennenswerten Angriff, doch Machino ließ den Matchball liegen. So war es dann auch in der Nachbetrachtung nicht mehr möglich, eine vermeintliche Effektivität hervorzuheben.

Handlungsbedarf im Wintertransferfenster

So fühlte sich am Ende alles wie eine Niederlage an. Verloren haben die Borussen tatsächlich: Zwei Punkte, die auf dem Präsentierteller lagen, und zudem das Zutrauen, dass diese Mannschaft genug Qualität hat, sich nicht wieder in den Abstiegskampf verwickeln zu lassen. Drei Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz. Noch hilft es den Borussen, dass es eine Handvoll ähnlich schwacher Konkurrenten gibt, aber darauf darf man sich nicht verlassen. Der Aufschwung von Mainz und Augsburg sollte Warnung genug sein, und Bremen trennte sich nach dem Spiel von Trainer Horst Steffen und wird sich diesbezüglich neu sortieren. »Die Situation war vorher gefährlich, wird nächste Woche gefährlich sein und auch in zwei Wochen«, sagte Rouven Schröder.

Die nächsten Wochen haben es in sich für die Borussen, die mit Leverkusen (H), Frankfurt (A), Freiburg (A), Union (H) und Bayern (A) nur Gegner aus den Top 10 vor der Brust haben. Gegen die gab es bislang keinen Dreier und die Lage könnte sich dramatisch zuspitzen. Rouven Schröder sagte am Samstag, dass man den »Kopf oben« behalten werde. Dass der Klub gut beraten wäre, im bis Montag geöffneten Transferfenster noch für echte Verstärkung zu sorgen, sollte mittlerweile klar sein. Unabhängig von einem längeren Ausfall von Philipp Sander, der in Bremen mit einer Muskelverletzung raus musste, besteht Handlungsbedarf.

von Marc Basten – TORfabrik.de | Foto: Fabio Deinert – Getty Images