9. August 2022

Mit Leidenschaft und Effektivität zum Erfolg

Borussia Mönchengladbach erarbeitete sich den nicht unbedingt erwarteten, aber dennoch verdienten Heimsieg über RB Leipzig mit Leidenschaft und Effektivität. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: In der ersten Halbzeit gab es, bis auf den Gegentreffer, bei dem Sommer machtlos war, weil der Ball noch entscheidend von Bensebaini abgefälscht wurde, relativ wenig zu tun für den Goalie. Das änderte sich nach dem Seitenwechsel, als der 33-Jährige den Silva-Kopfball mit einem katzenähnlichen Reflex an die Latte lenkte. Später entschärfte er einen Distanzschuss von Olmo und parierte die Angelino-Rakete. Das waren drei große Rettungstaten des Schweizers. Hinten raus gab es ein Missverständnis mit Friedrich, was ohne Folgen blieb. Note 1,5.

Jordan Beyer: Mausert sich immer mehr zum Basisspieler und zeigte auch gegen RB eine sehr robuste und disziplinierte Leistung. Neben zwei kleinen Unsicherheiten fiel sein passives Verhalten gegen Silva vor dem Ausgleich auf, als Beyer die Situation etwas unterschätzte. Dafür war er mit seinem Ballgewinn und der Spieleröffnung maßgeblich beteiligt am 2:1. Den dritten Treffer bereitete der 21-Jährige sorgfältig vor, als er mit nach vorne gestoßen war und Ruhe und Übersicht behielt. Überhaupt wirkt Beyer schon sehr abgezockt, was u.a. in der Szene zu erkennen war, als er sich bei einem langen Ball geschickt bückte, als alle mit einem Kopfball rechneten. Note 2,5.

Nico Elvedi: Wirkte auch diesmal in mehreren Situationen den entscheidenden Tick zu schläfrig. So wie beim Ausgleich, als er zu spät schaltete und dann nur noch zaghaft hinter Nkunku herlief. Auch beim Lattenkopfball von Silva erfasste er die Lage nicht schnell genug, um noch eingreifen zu können. Als zentraler Mann in der Dreierkette muss der 25-Jährige deutlich präsenter sein. Im Spiel nach vorne war Elvedi zurückhaltend, nur einmal suchte er das Abenteuer auf der rechten Seite, das er mit einem Zufallspass per Verweiflungsgrätsche auf Lainer so gerade überstand. In der 64. Minute entwischte ihm Nkunku und das Foul musste er zwingend machen. Die Notbremse zog den Platzverweis und zwei Spiele Sperre nach sich – die Saison ist damit für den Schweizer vorzeitig beendet. Note 4,0.

Ramy Bensebaini: Wieder als linker Innenverteidiger in der Dreierkette aufgeboten. Vor dem Ausgleich vermochte er Silva nicht Abseits zu stellen und orientierte sich dann etwas spät in Richtung Nkunku. Wenigstens versuchte Bensebaini noch zu retten, doch er fälschte den Ball so ab, dass Sommer keine Chance mehr hatte. Im Aufbauspiel war der 27-Jährige hier und da etwas hektisch – ein krasser Fehlpass in die Füße eines Leipzigers oder ein Verlagerungsversuch ins Seitenaus waren die Folge. Defensiv war der Algerier vor allem im zweiten Durchgang sehr positionsgetreu und räumte viel aus dem Weg. Das war auch notwendig, denn fast jeder Leipziger Angriff lief über Borussias linke Defensivseite. Note 3,0.

Stefan Lainer: Bei Ballbesitz rückte er vor allem vor der Pause sehr weit auf und war phasenweise wie ein klassischer Rechtsaußen hoch positioniert. Die Wege zurück machte der Österreicher fleißig und war zumeist auch rechtzeitig wieder da, um die Fünferkette zu komplettieren. Lainer besorgte Gvardiol schon früh eine Gelbe Karte, als er sich in Außenstürmer-Manier mit einer Körpertäuschung wegdrehte. Er gab einen – harmlosen – ersten Torschuss ab und war mit seinem Lauf in die Tiefe, der gestoppt wurde, an der Entstehung des 1:0 beteiligt. Mit seinem intelligenten Durchsteckpass mit links auf Hofmann stand der 29-Jährige an der Basis des vorentscheidenden dritten Treffers. Nach der Pause war Lainer vornehmlich defensiv gefordert, was er größtenteils ordentlich machte. Note 3,0.

Manu Koné: Schwang sich von Beginn an zum Chef im Mittelfeld auf und überzeugte mit seiner stabilen Ballbehandlung und einer sehr hohen Passsicherheit. Hin und wieder neigte er allerdings zur Selbstüberschätzung, als er bei Soli den Ball zu lange hielt und das Abspielen verpasste. Aber wie er einige Male mit enger Ballführung unter Bedrängnis aufdrehte, hatte schon echte Klasse. Koné gab einen Linksschuss ab, dem es aber an Power fehlte. Der 20-Jährige sah die Gelbe Karte, weil er hinlangte, als die Leipziger den Ball nicht ins Aus spielten, während Embolo am Boden lag. Koné wird damit beim Spiel in Frankfurt seine zweite Gelbsperre in dieser Saison absitzen müssen. Note 2,0.

Florian Neuhaus: Stand etwas im Schatten von Koné, auch wenn er aktiv war und nach Bensebaini die meisten Ballaktionen hatte. Einige Male blitzten seine individuellen spielerischen Fähigkeiten auf wenn es galt, sich unter Druck zu befreien. Eine Kombination mit Netz war sehr gut, dafür versandeten ein paar Versuche, weil Neuhaus es etwas zu lässig anging. Sein Ballverlust an der Außenlinie ermöglichte Leipzig den Angriff, aus dem der Ausgleich resultierte. In der zweiten Halbzeit und vor allem nach dem Platzverweis, als Borussia in Unterzahl verteidigte, gefiel Neuhaus mit seiner Bissigkeit im Zweikampf. In der Nachspielzeit holte sich der 25-Jährige in der Hitze des Gefechts noch eine Gelbe Karte ab. Note 3,5.

Luca Netz: Auf der linken Seite agierte er deutlich zurückgezogener als sein Pendant Lainer auf rechts. Netz wirkte oft suchend und schien in einigen Situationen nicht zu wissen, wie er sich verhalten sollte. Gerade nach der Pause, als Leipzig sehr viele Angriffe über seine Seite gestaltete, wirkte der 18-Jährige unter Druck etwas überfordert. Zumindest machte er keine unüberlegten Dinge, sondern schlug im Zweifel den Ball einfach weg. Vor dem Ausgleichstreffer bremste er gegen Nkunku ab, um keinen Elfmeter zu verursachen und hatte dann keine Möglichkeit mehr, noch einzugreifen. In der Nachspielzeit machte Netz Platz für Scally. Note 4,0.

Jonas Hofmann: Positionierte sich deutlich zentraler als zuletzt in Freiburg und agierte zusammen mit Stindl flexibel hinter Embolo. Es gab einige spielerisch gute Ansätze, auch wenn der 29-Jährige zweimal etwas lasch den Ball verlor. Mit dem Vertikalpass auf Stindl war Hofmann am 1:0 beteiligt, den Konter zum 2:1 baute er mit auf, sprintete perfekt vom Gegner weg und rundete äußerst cool ab. Ein paar Mal trieb der Nationalspieler den Ball in die Meute und lief sich fest. Beim 3:1 spielte er Assistgeber Beyer an, lief in Position und schloss trocken ab, nachdem er mit etwas Glück an Orban vorbeigekommen war. In der Schlussphase sah Hofmann noch Gelb für Meckern, als er sich berechtigt über eine Fehlwahrnehmung des Linienrichters aufregte. Note 2,0.

Lars Stindl: Agierte neben Hofmann hinter Embolo und war sehr aktiv. Stindl ließ sich öfter fallen um mit aufzubauen, rieb sich in vielen Duellen auf und setzte auch verbale Zeichen. Er sah früh Gelb, als er nach einem Foul von Simakan ein kleines Scharmützel anzettelte, so als ob er sagen und zeigen wollte, dass man sich nicht alles gefallen lässt. Das war gerade gegen die wahrlich nicht zimperlichen Leipziger ein wichtiges Signal. Den Angriff zum 1:0 leitete der 33-Jährige mit einem Klassepass auf Lainer ein. Der folgende Assist für Embolo kam eher glücklich zustande und gehört eigentlich Leipzigs Laimer. Nach der Pause gab der Kapitän noch einen Linksschuss ab und wurde dann aufgrund der Roten Karte von Elvedi ‘geopfert’, weil mit Friedrich ein Innenverteidiger eingewechselt wurde. Note 3,0

Breel Embolo: Ist ohne Frage in Form und erzielte mit seiner ersten Chance das 1:0, was gleichzeitig sein fünfter Treffer in den letzten sechs Spielen war. Hellwach und humorlos erkannte und nutzte er die Situation. Überragend war der Assist zum 2:1, als er den Ball sicherte, sich geschickt wegdrehte und im Fallen perfekt in den Lauf von Hofmann passte. In zwei, drei Situationen machte es der 25-Jährige weniger geschickt. Dafür war er erneut besonnen in den Zweikämpfen und kam ohne Foul aus. In Unterzahl arbeitete Embolo fleißig mit nach hinten. Note 2,5.

Marvin Friedrich (65. Minute für Stindl): Gab nach mehr als zwei Monaten sein Comeback und ersetzte Elvedi nach dessen Platzverweis. Der Ex-Unioner machte es ordentlich und wird sich in den verbleibenden beiden Partien aufgrund Elvedis Sperre wohl wieder zeigen dürfen. Ohne Note.

Alassane Plea (89. Minute für Embolo): Blieb bei seinem Kurzeinsatz ohne Ballberührung und ohne Note.

Christoph Kramer (89. Minute für Koné): Hatte immerhin noch zwei Ballaktionen und half mit, die Nachspielzeit zu überstehen. Ohne Note.

Joe Scally (90.+3 für Netz): Ein Wechsel, um etwas an der Uhr zu drehen. Ohne Note.

von Redaktion TORfabrik.de | Foto: Norbert Jansen – Fohlenfoto