20. Oktober 2021

Einzelkritik: Ein verpatztes Finale mit Happy-End

Borussia Mönchengladbach war Real Madrid im finalen Gruppenspiel in allen Belangen unterlegen und komplett chancenlos – doch das Weiterkommen überstrahlte den schwachen Auftritt. Die Einzelkritik:

Yann Sommer: Musste bereits in der 9. Minute hinter sich greifen, als Benzema unbedrängt einköpfte – Sommer konnte dem Ball nur noch hinterherschauen. Beim zweiten Tor hätte er bei der Flanke möglicherweise herauskommen können, doch er blieb auf der Linie und bekam beim wuchtigen Kopfball von Benzema aus kurzer Distanz nicht mehr schnell genug die Arme hoch. Eine Flanke von Modric pflückte der Schweizer, einen weiteren hohen Ball – den er eigentlich locker fangen konnte – faustete er leicht panisch weg. Mit den Fingerspitzen lenkte der 31-Jährige den Modric-Schuss an den Pfosten. Mit seiner Parade beim Linksschuss von Kroos, den er aus dem Winkel fischte und dem Rettungsflug beim Kopfball von Ramos bewahrte Sommer sein Team vor einer höheren Niederlage. Note 3,0.

Stefan Lainer: Beim ersten Kopfballtor von Benzema war er chancenlos im Luftduell, beim zweiten stand er zwei Meter neben dem Torschützen. Zu Lainers Entschuldigung sei angemerkt, dass Benzema nicht sein Gegenspieler war und er sich stattdessen beide Male zunächst in Richtung Vinicius Junior orientierte. Darüber hinaus hatte er Riesenmühe mit den trickreichen Gegenspielern. Alles, was der 28-Jährige selber veranstaltete, sah sehr simpel und berechenbar aus. Lainer bekam in Madrid ganz klar seine Grenzen aufgezeigt. Note 4,5.

Matthias Ginter: Ein schlimmer Abend für den Nationalspieler, der zu keiner Sekunde die Rolle eines Abwehrchefs erfüllte. Im Gegenteil – sein schlechtes Stellungsspiel war ausschlaggebend, dass Benzema die beiden Tore nahezu unbedrängt erzielen konnte. Des Weiteren stand Ginter mehrfach falsch, wirkte eigenartig teilnahmslos und ließ das Geschehen mehr oder weniger über sich ergehen. Gelungen war die Aktion, als er einen Schuss zur Ecke blockte. Dafür führte ein katastrophaler Ballverlust des 26-Jährigen zu einem gefährlichen Konter von Real. Note 5,0.

Nico Elvedi: Dass er mitwirken konnte, war laut Marco Rose eine Punktlandung. Doch der Schweizer hatte nur ganz wenige bemerkenswerte Szenen. Zwei-, dreimal kam er gut vor den Gegenspieler an den Ball, doch mehrfach hatte er das Nachsehen. Vor dem 0:2 rückte er auf die linke Seite raus und ließ sich von Rodrygo austanzen und verhinderte die Flanke nicht. Einen Ginter-Fehlpass bügelte er mit gutem Einsatz aus, dafür ließ er sich beim Pfostentreffer von Vazquez narren und fiel auf die Körpertäuschung herein. Im Spielaufbau agierte der 24-Jährige sehr zögerlich und wählte fast immer den Weg nach hinten. Note 5,0.

Oscar Wendt: Litt besonders unter der fehlenden Kompaktheit bei der Borussia, weil Real die meisten Angriffe über seine Seite startete. Wendt sah sich oft Vazquez, Rodrygo und Modric gegenüber und war alleine auf verlorenem Posten. So konnte er die Halbfeldflanke von Vazquez vor dem ersten Tor nicht verhindern und vor dem zweiten Gegentreffer war Wendt in Richtung Modric vorgerückt, der ihn jedoch vernaschte. Auch zwei, drei weitere brandgefährliche Madrider Angriffe wurden möglich, weil der Schwede überfordert war. Mit der Ballverarbeitung hatte der 35-Jährige Probleme, weil es einfach zu schnell ging. Zur zweiten Halbzeit wurde Wendt von Lazaro abgelöst. Note 5,0.

Christoph Kramer: Hatte einen schweren Stand gegen die ballsicheren Mittelfeldakteure von Real. Obwohl Kramer viel lief, bekam er die Gegenspieler kaum zu packen. Kroos und vor allem Modric hatten in den Halbräumen zu viel Platz. Im Kurzpassspiel war Kramer sicher – den Angriff zur Ausgleichschance leitete er mit dem Zuspiel auf Neuhaus ein. In mehreren Situationen hatte der 29-Jährige Probleme bei der Ballverabeitung, wenn es eng zuging. Nach der Pause im Dreiermittelfeld mit etwas mehr Sicherheit in den Aktionen. Note 4,0.

Florian Neuhaus: Gemeinsam mit Kramer ohne wirklichen Zugriff auf die Gegenspieler. Neuhaus war zwar passsicher, doch richtig auffällig war nur das Zuspiel zur Großchance von Plea. Dieser Pass war allerdings einer aus der Kategorie Extraklasse. Ein völlig vermurkster Ball im Aufbau landete in den Füßen eines Spaniers. Der 23-Jährige hatte wieder zwei, drei Situationen, in denen er sich gemächlich mit Ball am Fuß drehte und dann eingekesselt wurde. Im zweiten Durchgang meist links im Dreiermittelfeld unterwegs und dort eher unscheinbar. Note 4,0.

Alassane Plea: Rechts in der offensiven Dreierreihe aufgeboten, war der Franzose noch der auffälligste Angreifer. Er hatte die große Chance zum Ausgleich, als er den Ball in Bedrängnis zwar am Torwart, aber eben leider auch am Tor vorbei lupfte. Bei seiner zweiten Chance stand Plea im Abseits, später traf der 27-Jährige das Außennetz nach einem abgeschlagenen Freistoß. Note 4,0.

Lars Stindl: Mit seinem blöden Ballverlust – als er Embolo im Mittelkreis anspielen wollte, aber ein Spanier den Pass aufnahm – fing das Elend an. Im Gegenzug bereitete er die Chance für Thuram vor und die Plea-Möglichkeit leitete Stindl mit seiner Balleroberung ein. Der 32-Jährige ackerte und wehrte sich – einmal ging er sehr ruppig gegen Kroos zu Werke. Nach der Pause als Mittelstürmer unterwegs und hier weniger eingebunden als in hängender Rolle. Eine Hacken-Verlängerung misslang, ein Freistoß von halbrechts verpuffte. Nach 85 Minuten wurde er von Wolf abgelöst. Note 4,5.

Marcus Thuram: Musste sich meist mit mehreren Gegenspielern herumschlagen – Real hatte den Doppeltorschützen des Hinspiels besonders im Auge. Der konnte sich unmittelbar nach dem 0:1 einmal im Anschluss an ein Stindl-Zuspiel im Strafraum zeigen, sein eher harmloser Schuss aufs Tor landete in den Armen des Keepers. Defensiv war Thuram für Wendt nur eine beschränkte Hilfe, dafür köpfte er einige Eckbälle von Real aus dem Strafraum. Der 23-Jährige gab noch einen Kopfball nach scharfer Plea-Flanke ab, blieb ansonsten aber harmlos. In der 85. Minute kam Herrmann. Note 4,5.

Breel Embolo: Als vorderste Spitze aufgeboten, gewann er ein Kopfballduell gegen Ramos, was ohne Ertrag blieb. Ansonsten war der 23-Jährige kein Faktor und nahezu unsichtbar. Zur Pause musste er für seinen Landsmann Zakaria weichen. Note 5,0.

Denis Zakaria: Kam zur zweiten Halbzeit für Embolo und sortierte sich im neu gebildeten Dreiermittelfeld rechts ein. Einmal tauchte er blitzschnell auf und eroberte den Ball. Doch spielerisch konnte der Schweizer nicht mehr viel hinzufügen. Der 24-Jährige sah zurecht Gelb für einen wilden Sprung in den Rücken von Kroos. Note 4,0.

Valentino Lazaro: Ersetzte Wendt mit Beginn des zweiten Durchgangs und übernahm auch dessen Rolle als Linksverteidiger. Bei seiner ersten Aktion unterlief ihm ein Ballverlust, kurz danach konnte er eine Flanke auf Benzema nicht verhindern. Am Ball war der 24-Jährige solide. Vor der Kopfballchance von Ramos verlor Lazaro den Spanier aus den Augen. Note 4,0.

Patrick Herrman (85. für Thuram), Laszlo Bénes (85. für Kramer) und Hannes Wolf (85. für Stindl): Alle Wechsel rein administrativ relevant und alle ohne Noten.